Wer ist Klaus? / Кто такой клаус?

Streetart in Samara: Eine ganze Reihe von Klaus-Graffitis ziert die Stadt. Das spingt einer Deutschen natürlich sofort ins Auge. Aber wer steckt dahinter und warum warum wählt man ausgerechnet den Namen Klaus? Über meine Suche nach Antworten und die Entdeckung des eigenen inneren „Klaus“.

КЛАУС“, sprang es mir ins Auge, als ich gedankenverloren in der Tram saß. Ich las es noch einmal, Buchstabe für Buchstabe. Tatsächlich, K-L-A-U-S. Klaus?!

Es war einer meiner ersten Tage in Samara, als ich das Graffiti an der Hauswand sah. Ob die anderen Fahrgäste wussten, dass es sich geradezu um einen deutschen Anti-Vornamen handelt? Bevor ich ein Foto machen konnte, fuhr die Tram weiter. Ich deutete dieses merkwürdige Phänomen als eine Art kosmischen Willkommensgruß. Es machte mir aber auch Mut – in Gedanken sang ich die berühmte Liedzeile von Sting: „I’m an englishman in New York“, oder auch: „I’m a german Klaus in Samara“.

Schon bald bemerkte ich, dass das Graffiti kein Einzelkunstwerk war, sondern Teil eines riesigen Netzwerks an Kläusen. In der Leningradskaja Ulitsa, in den umliegenden Straßen, aber auch in der Nähe der Staatlichen Universität, selbst im Bezirk Metallurg. „КЛАУС“, wo man auch hinschaut. Wenn man denn genauer hinschaut. Denn Klaus gibt es nur auf den Dächern Samaras. Ich begann Fotos zu machen und entdeckte immer mehr Kläuse. Sie gaben mir Anlass zu den wildesten Spekulationen: Wer ist Klaus? Ein Deutscher? Oder ist es eine Referenz an Santa Claus? An Klaus Kinski vielleicht? Oder steht es gar als Abkürzung für Klaustrophobie?

Ein Bekannter, der sich mit Streetart auskennt, half mir bei der Recherche. Es stellte sich heraus, dass Klaus offenbar kein Einzelkünstler ist, sondern eine Gruppe von Sprayern. Auf vkontakte, dem russischen Pendant zu Facebook, gibt einer von ihnen an, aus Deutschland zu sein. Eine heiße Spur?

Seit meiner ersten Begegnung mit Klaus sind zehn Monate vergangen. Und Klaus war immer bei mir. Es leben so viele Deutsche, Russlanddeutsche und Deutschinteressierte in Samara, dass ich mich mehr mit meiner deutschen Identität – meinem eigenen „Klaustum“ – auseinandergesetzt habe als erwartet. Durch den fremden Blickwinkel sehe ich Deutschland jetzt selbst ganz anders: Differenzierter und liebevoller. Mein Jahr in Russland ist zu Ende und ich nehme viele wertvolle Erfahrungen mit. Die wichtigste ist: auch in mir steckt irgendwo ein Klaus.

 

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