Sprachassistententreffen in Jekaterinburg

Vom 22. – 26.02.2015 wurde die „Hauptstadt des Ural“ zum Austragungsort des diesjährigen Zwischentreffens der Sprachassistenten des Goethe-Institutes in Russland. Für die 13 TeilnehmerInnen des Programms bedeute dies einen reichhaltigen Erfahrungsaustausch, den Rückblick auf die bisherige Zeit an den jeweiligen Einsatzorten und das Kennenlernen eines weiteren Teiles des Landes.

IMG_4368Das frühere Sverdlovsk und heutige Jekaterinburg – von seinen Bewohnern liebevoll Joburg genannt – stellt mit knapp 1,35 Millionen Einwohnern nicht nur die Hauptstadt des Sverdlovsker Gebiets, sondern auch die Wiege der kulturellen Revolution in den 80er Jahren dar. Nicht nur namhafte Bands wie „Tschajf“ (Чайф) und „Agata Kristi“ (Агата Кристи) haben in der Stadt ihre Wurzeln, sondern auch Boris Jelzin pflegte hier Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre einen neuen Politikstil, der dem verkrusteten kommunistischen Staatsmacht in Sverdlovsk ein aktives, bürgernahes Gesicht gab.

In Jekaterinburg jedenfalls trafen sich Ende Februar die 13 SprachassistentInnen des Goethe-Insitutes aus ganz Russland. Wer sich jetzt fragt: Sprachass…was? dem kann geholfen werden: „Das Goethe-Institut vermittelt im Rahmen der Förderung deutscher Minderheiten Sprachassistentinnen und Sprachassistenten nach Russland, Kasachstan, Kirgisistan und in die Ukraine. Im Auftrag des Auswärtigen Amtes fördert das Goethe-Institut damit den sprachlichen und kulturellen Austausch zwischen verschiedenen Nationen. Die Sprachassistenten unterstützen für die Dauer von 9 Monaten einheimische LehrerInnen beim Deutschunterricht an verschiedenen Orten in der GUS.“

IMG_4357Bei dem Treffen bildete das Kennenlernen von Stadt und Geschichte den Schwerpunkt des ersten Tages. Neben einem Ausflug an die europäisch-asiatische Grenz standen der Besuch des Denkmals für die Repressionen der Jahre 1930-1950, der Besuch des Klosters „Ganina Jama“ (Ганина Яма, der Fundort der Überreste der letzten Zarenfamilie), sowie eine Stadtrundfahrt mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf dem Programm.

Aber man war ja nicht zusammen gekommen, um sich dem Tourismus hinzugeben. In den nächsten drei Tagen beschäftigte man sich mit den Erfahrungen der letzten sechs Monate, tauschte Erkenntnisse und Methoden aus und erlernte neue Methoden für die Arbeit als Sprachassistenz. Schwerpunkte bildeten dabei die Arbeit mit verschiedenen Medien, deren Didaktisierung sowie die Verwendung verschiedener Spiele und Methoden zur Wortschatzbildung.

Neben diesen Punkten stand aber auch die Arbeit am „Freunde-vor-Ort“-Projekt im Fokus des Treffens, welches ab April in seine „heiße Phase“ eintreten wird: in den Monaten April und Mai bereisen die SprachassistentInnen verschiedene Regionen Russlands, um in Ortschaften mit hohem Anteil an Russlanddeutschen Projekte zu deutscher Kultur und deutscher Sprache durchzuführen. Dabei stehen vor allem Ortschaften im Fokus, welche auf Grund ihrer Lage keinen Zugang zu einem Sprachlernzentrum (SLZ) des Goethe-Institutes haben. Besucht werden dabei Städte und Dörfer in den Regionen Wolga, Ural und Sibirien. Während des Zwischentreffens wurde die Teambildung abgeschlossen, die zu besuchenden Orte ausgewählt und erste terminliche wie inhaltliche Absprachen getroffen. Abgerundet wurde das ganze Programm durch ein Besuch des Koljada-Theaters am 25.2., wo die „Svadba“ (Свадьба) von Чехов gezeigt wurde.

Alles in allem war das Zwischentreffen ein voller Erfolg. So vielfältig wie Russland in sich ist, so vielfältig stellen sich auch die Charaktere der SprachassistentInnen und ihre Erfahrungen dar. Es nehmen nicht nur Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen und Vorkenntnissen in den Bereichen Russland und DaF (Deutsch als Fremdsprache) an dem Sprachassistentenprogramm teil, sondern die Arbeit an den einzelnen Sprachlernzentren (SLZ) unterscheidet sich grundlegend. Die Gewichtung der Arbeitsbereiche fällt in jedem SLZ anders aus, sodass sich jede Sprachassistenz einer unikalen Aufgabenpalette gegenüber sieht. Während bei manchen die Arbeit mit Russlanddeutschen im Vordergrund steht, haben andere SLZ ihren Schwerpunkt auf der Sprachmittlung mit Kindern und/oder Erwachsenen, Projektarbeit etc. Trotzdem verbindet alle SprachassistentInnen das lebhafte Interesse an ihrer Rolle als KulturmittlerInnen und die Freude auf unser nächstes Treffen: das Abschlusstreffen in Kaluga Anfang Mai.

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