Die Perle Jakutiens – ein Ausflug an die Lena-Pfähle

Jakutien, die größte Republik Russlands, ist vor allem bekannt für sein ewiges Eis und Häusern auf Pfählen, die tief in den Permafrostboden reichen. Spätestens seit 2012 aber auch für ein neues UNESCO-Weltkulturerbe: Die Lena-Pfähle. Einer der längsten Flüsse der Erde durchzieht sich von der südlich gelegenen Tundra bis in die nördliche Taiga und mündet schließlich im Polarmeer. Was dabei entsteht sind einmalige Felsformationen mit Blick über eine unvergleichbare Landschaft.

Jakutien, die Republik des ewigen Eises. Wie die Jakuten gerne zu sagen vermögen: Wir haben neun Monate Winter und drei Monate richtigen Winter. Ganz so schlimm ist es dann aber doch nicht. Bei einer Temperaturspanne von 100 Grad gibt es auch kurze sommerliche Wochen mit recht milden Tagen. So zum Beispiel im September. Noch vor Wintereinbruch musste deshalb dringend ein erster Ausflug in den Fernen Osten Russlands getätigt werden. Es ging an die beeindruckenden Lena-Pfähle (in English: Lena Pillars, по-русски: Ле́нские столбы́).

Kurze Hintergrundinformationen zum Fluss Lena und den Lena-Pfählen:

Mit einer Länge von 4.400 Kilometern gehört Lena zu den längsten Flüssen der Erde.

Beeindruckender Blick über die Lena

Beeindruckender Blick über die Lena

Sie entspringt einer Seenplatte in unmittelbarer Nähe des Baikalsees im Süden Sibiriens und mündet im Laptewsee, einem Randmeer des Arktischen Ozeans, fließt also „bergauf“ in den hohen Norden. Die Lena ist an manchen Stellen mehrere Kilometer breit. Besonders verblüffend ist die Tatsache, dass über die Lena keine einzige Brücke führt. Der Fluss kann lediglich per Schiff und/ oder Boot überquert werden. (Es ist zwar eine ca. 3 km lange Brücke geplant, um Jakutsk an die Eisenbahnstrecke nach Tommot anzuschließen, aber wer weiß, wann oder ob dieses Vorhaben überhaupt in näherer Zukunft tatsächlich in Angriff genommen wird.) Verblüffend ist aber auch, dass es in Sibirien im Winter so kalt wird, dass der nördliche Teil der Lena über mehrere Monate hinweg vollständig gefriert und mit dem Auto oder gar mit Lastkraftwagen problemlos befahren und als „Eis-Autobahn“ genutzt werden kann. Eine besondere Attraktion sind die so genannten Lena-Pfähle, wundersame Felsformationen, die sich am Rande des Flusses abzeichnen. Die zahllosen steilen Felsen erstrecken sich über 60 Kilometer im Süden Jakutsks und erreichen eine Höhe zwischen 150 und 300 Metern. Seit 2012 zählt die natürliche Steinformation zum UNESCO-Weltkulturerbe – unser Ausflugsziel.

Über den Ausflug:

Am frühen Morgen ging es für unsere bunt gemischte Gruppe los. Da wurden wir von unserem Reiseführer-Dream-Team mit einem Kleinbus eingesammelt. Begrüßt wurden wir mit dem ersten Schnee in Jakutsk. Die abenteuerliche Fahrt konnte beginnen. Immer wenn man dachte, die Straßen können nicht noch schlechter, nicht noch holpriger, nicht noch unbezwingbarer werden, wurde man eines besseren belehrt. Selbst der stärkste und abgehärteste Magen drehte sich bei dieser Fahrt um. So war es auch wenig verwunderlich, dass wir bei jedem Halt die Plätze tauschten, da besonders die Bauchregion der hinteren Sitzreihe schwer mit den Gegebenheiten der Straße zu kämpfen hatte. Es war ein bisschen wie die Reise nach Jerusalem, nur eben im Minibus.

01Doch die zahlreichen kurzen Stopps an kleinen Attraktionen auf der Strecke zur Lena schufen für etwas Abhilfe. Denn die Luft in der Umgebung von Jakutsk ist frisch und rein und tut dem Gemüt einfach nur gut. So wurde u.a. an einem Schrein Halt gemacht, der von vielen Wunschbändern verziert war. Die Legende besagt, dass der Stein an einen Jakuten erinnert, der zu großem Vermögen gelangte und seine große Liebe fand, sein Glück jedoch nicht erfüllt werden konnte, da er sich sein Leben lang Kinder wünschte, aber nie welche bekam. Wer sich also Kinder wünscht, soll den Stein berühren und ein kleines Dankeschön zurücklassen.

Der nächste Halt folgte an einem kleinen Dorf am Rande der Lena. Direkt daneben gibt es in den Frühlings- und Sommermonaten einen großen Wasserfall, der in den Fluss mündet. Als wir zur entsprechenden Stelle gelaufen sind, war von einem Wasserfall jedoch nichts mehr zu sehen. Dafür hatte man einen schönen Ausblick auf die Felsformationen, die das fließende Wasser über die Zeit hinweg hinterlassen hat.

Danach folgte der wohl schwierigste Teil der Strecke. Von Straßen war schon gar nicht mehr die Rede. Feldwege mit Spuren von Geländewagen, die sich ihren eigenen Weg gesucht haben, trifft es schon eher. So auch unser wagemutiger Fahrer, der matschigen Schlammwegen und eisigen Rutschstreifen trotzte und mit seinem Minibus (man betone: kein Vierradantrieb!) querbeet zwischen Bäumen und Hügeln einen Alternativweg fuhr – und sich a) trotzdem nicht verfahren hat und b) mit all seiner Coolness nicht ein einziges Mal mit der Wimper zuckte. Man bemerke: Die anderen Mitfahrer haben Blut und Wasser geschwitzt und konnten ihren Augen kaum glauben. Der Fairness halber muss man aber auch dazu sagen, dass man in mehreren Momenten befürchten musste, dass das Auto umkippt, das gute Gefährt stecken bleibt oder zumindest der Reifen platzt und wir im Schnee gefangen sein würden. Meine größte Sorge war die letzte Option. Denn einen Ersatzreifen gab es nicht.

Wie dem auch sei. Wir sind heil an unserem Ziel angekommen. Weiter ging es mit einem kleinen Motorboot, das uns quer über die Lena an eine Felsformation brachte, die noch heute mit Bemalungen, den so genannten Petroglyphen-Felszeichnungen, aus ältester Zeit geschmückt sind. Die so genannten Schischkino-Felsen befinden sich ca. 3 km von dem Dorf Schischkino (in der Nähe der Stadt Katschug) entfernt. Ihre Ornamente sind bemalt mit Menschen- und Tierdarstellungen aus anno dazumal. Die berühmteste Zeichnung ist der „Krieger mit dem Banner“, der seit 1992 das Wappenemblem der Republik Sacha (Jakutien) schmückt.

Von dort aus ging es mit dem Motorboot weiter zu den Lena-Pfählen, an deren Fuß kleine Holz-Jurten die Einnahme eines windgeschützten Imbiss erlaubten und der vom kalten Bootswind verfrorene Körper durch ein paar Hochprozentige wieder etwas an Wärme gewinnen ließ. Denn was folgte war eine Wanderung 07hoch auf die Felsen, die (abgesehen von der Bärengefahr!) am Ende einen ganz wunderbaren Ausblick über die Weite des Flusses eröffnete und den anstrengenden Aufstieg damit wieder gut machen konnte. Von dort aus sah man einen kleinen abgeschiedenen Fels inmitten zahlreicher Nadelbäume. Auch hierzu gibt es eine Legende, die uns unser netter Reiseführer natürlich nicht vorenthielt: Die Tochter eines Schamanen hat sich in einen Jungen aus dem Nachbardorf verliebt. Da der Vater des Mädchens mit der Liebe zwischen den beiden nicht einverstanden war, haben sich das Mädchen und der Junge aus dem Nachbardorf an einem geheimen Ort verabredet. Doch der Schamane erfuhr von dem heimlichen Treffen und beschwor einen schweren Sturm, der den Jungen mit sich riss und tötete. Das Mädchen war darüber so traurig, dass ihre Tränen den Fluss füllten und sie sich zu einem einsamen Stein verwandelte. Und wenn eine Frau noch immer nicht ihre große Liebe gefunden hat, so soll sie an diesen Stein wandern und ihn berühren. Dann würde sie endlich ihre Liebe treffen!

Auch wenn der Ausflug bis Mitternacht dauerte, so hat sich doch jedes Minütchen für diese wunderbare Abwechslung in die Natur gelohnt! Vor allem um die beeindruckende Landschaft noch einmal „nackt“ zu sehen bevor sie unter einer meterdicken Schneehülle verschwindet und erst im späten Frühjahr wieder ihr Gesicht zeigen würde… Ein Wiedersehen im Winter ist garantiert!

(Dieser Artikel wurde in leicht abgeänderter Form zuerst am 30.09.2014 auf folgendem Blog veröffentlicht:

https://sabrinainsibirien.wordpress.com/2014/09/30/abenteuer-das-erste-die-lena-pfahle/ )

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