Solowki – Die Inseln der Schönheit und des Schreckens

1429 kamen Mönche und gründeten eines der bedeutendsten Klöster der russischen Orthodoxie. Als Alexander Solschenitsyn seinen „Archipel Gulag“ schrieb, dachte er an Solowki. Heute ist die Inselgruppe im Weißen Meer ein Ort von unglaublicher natürlicher Schönheit. Eine Bilderreise zu einem der widersprüchlichsten Orte der russischen Geschichte.

Volodja ist ein ehrgeiziger Mann. Seine Fahrgäste sind immer die ersten, die den Anleger erreichen und somit nicht in der Schlange stehen müssen. Und um diese sich selbst gesetzte Vorgabe einzuhalten, prügelt er auch heute seinen alten blauen Lada in angsteinflößender Weise über die schmale Straße die 12 Kilometer vom Bahnhof hin nach Rabotscheostrovsk, dem Hafen von Kem. Ruhig liegt die „Vasilij Kosjakov“, Baujahr 1982 und benannt nach einem Helden der Arbeit, der seine heldenhafte Arbeit im Hafen von Murmansk verrichtete, am Pier. Die Passagierbetreuerin verkündet einen wundervollen Tag. Auf bis zu 17 Grad soll an diesem Tag im August das Thermometer klettern. Warum sie eigentlich ihren Bikini eingepackt habe, grummelt Marina aus Moskau vor sich hin. Die Frage kann ihr wirklich niemand beantworten.

Nach zwei Stunden Fahrt auf dem Weißen Meer erreicht die „Vasilij Kosjakov“ das Archipel. Schon von weiten ist das Solowezki-Kloster sichtbar, das im 15. Jahrhundert von einsiedelnden Mönchen gegründet wurde. Neben dem Hauptkloster verteilen sich noch heute allerlei Einsiedeleien auf der Inselgruppe, zu denen heute die Mönche die zumeist tiefgläubigen, pilgernden Tourist*innen führen. An die Leiden des Gulags, das hier auf diesen Inseln im eisigen Norden aufgebaut wurde, erinnert heute wenig. Vereinzelte Kreuze erinnern an Massengräber und im einzigen Dorf der Insel beherbergt eine kleine Baracke ein Museum. Wer heute aus nicht-religiösen Motiven auf die Inseln kommt, tut dies zumeist der Natur wegen. Tiefe Wälder, die von unzähligen durch Kanäle verbundenen Seen durchschnitten sind, zeichnen die Landschaft aus. Vor der buchtenreichen Küste tummeln sich Robben und Belugas.

 

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