Krasnojarsk – eine Million Menschen an den schönen, roten Ufern des Jenissejs

Seit Ende letzten Jahres gehört Krasnojarsk zu den Millionenstädten Russlands. Praktisch heißt das, dass mehr Mittel für Infrastruktur, Kultur, Soziales zur Verfügung stehen. Das Stadtbild entspricht denn auch mehr dem einer europäischen Großstadt als dem, was man gemeinhin von Sibirien erwarten würde.

Dobro pozhalovat! Herzlich willkommen!

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1628 wurde die Stadt von der Kosakenabteilung unter Andrej Dubenskij gegründet. Der Name Krasnyj jar kann soviel heißen wie Roter/schöner Abgrund/Ufer, was mit der Bedeutungsverschiebung des Wortes krasnyj zu tun hat. Die Bezeichnung bezieht sich auf das rote, schön anzusehende Felsengestein in Stadtgebiet und Umgebung.

1822 wurde Krasnojarsk Hauptstadt des Jenissej-Gouvernements. Bis heute ist es Hauptstadt und Verwaltungszentrum des Krasnojarsker Gebietes, das sich entlang des Jenissejs bis zum Nördlichen Eismeer erstreckt und flächenmäßig rund sechsmal so groß ist wie Deutschland. Dabei leben in der gesamten Region gerade einmal knapp 3 Millionen Menschen, etwas weniger als in Berlin.

Am 6. Dezember 1895 rollte die erste Transsibirische Eisenbahn durch Krasnojarsk. Der Bau der Magistrale förderte die Entwicklung der Stadt zum Industriezentrum. Dank der starken Metallverarbeitenden Industrie, der Zellulose- und Chemiewerke brachte es Krasnojarsk zu relativem Reichtum. Gleichzeitig ist die Luft schlecht und der häufige Smog kann wegen der bergigen Umgebung von den sibirischen Winden kaum vertrieben werden.

Während der Weltkriege des 20. Jahrhunderts versiebenfachte sich das Produktionsvolumen und bescherte dem Krasnojarsker Gebiet eine wirtschaftlich führende Position unter den sibirischen Regionen.

Bei dieser Entwicklung spielten selbstverständlich Deportationen und Verbannung eine große Rolle. Wolga-Deutsche, Litauer, Polen, Letten, Ukrainer, … Krasnojarsk und sein gesamtes Gebiet ist ein großer Schmelztiegel tragischer Schicksale. Besonders die Erschließung des sibirischen Nordens durch Gulag-Gefangene ab den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts forderte viele Tausende Opfer.

KrasnojarskDie Bewohner Sibiriens

sind ein poetisches Volk.

Ihre Haupttugenden

sind Gastfreundlichkeit

und Mitleid.

Sie sind bereit zu helfen

den Armen und Obdachlosen.

Sie sind weich,

treu ihren Pflichten

und gesetzlichen Forderungen.

Sie sind stolz

auf ihre Freiheit.

A. Stepanov, 1. Gubernator des Jenissej-Gouvernements

 

Zu den berühmtesten Kindern der Stadt zählen der Schriftsteller Viktor Astafjew (1924-2001) und der Maler Vasilij Surikow (1848-1916). Die in Deutschland berühmteste Spätaussiedlerin aus Krasnojarsk ist mit Abstand Helene Fischer. Außerdem stammt ursprünglich aus dem Krasnojarsker Gebiet, Dudinka, auch Olga Martynowa, Lyrikern (auf Russisch) und Romanautorin („Sogar Papageien überleben uns“, 2010, deutsch). Heute lebt sie in Frankfurt/Main.

Ein Spaziergang.

Der Alltag spielt sich zum größten Teil im Stadtzentrum am linken Jenissejufer ab.

Der Jenissej ist in Krasnojarsk bereits rund zwei Kilometer breit. Die Kommunal-Brücke misst 2,3km und führt über die Erholungsinsel. Sie ist eine von drei Überfahrtmöglichkeiten zwischen den beiden Flussufern und Stadtteilen. Fast immer ist man zu Fuß viel schneller als auf der Straße. Die Brücke ist nahezu den ganzen Tag mit einem ewigen Stau verstopft.

Das rechte Fussufer hat einen recht schlechten Ruf in der Stadt. Es ist eher eine Wohngegend, auch für die Nicht-Reichen. Manchem scheint es auch wie eine eigene Stadt – mit eigenen Kirchen, eigenem Riesen-Prospekt und Flaniermeile, eigenem Busbahnhof…

Krasnojarsk ist eine junge Stadt. Und viele junge Menschen wollen das Stadtbild beleben. Das prominenteste Beispiel ist das Krasnojarsker Museumszentrum (KIZ).

Von anderen Städten Sibiriens unterscheidet Krasnojarsk vorallem seine Landschaft: Jenissej-Wasser im Zentrum, die autofreie Tatyshev-Insel, das Naturschutzgebiet „Stolby“ und Bergland in der Umgebung.

Ein Tag in Krasnojarsk neigt sich dem Ende entgegen.

Und wenn das Jahr zu Ende geht, färbt sich auch Krasnojarsk sibirisch-weiß…

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Die Bilder stammen alle aus den Jahren 2013/14.

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