Im Kloster des wundertätigen Khambo Lama Itigelov

Burjatien hat einiges zu bieten: großartige Landschaften, leckeres Essen und den größten Lenin-Kopf der Welt. Der unangefochtene Star unter den Sehenswürdigkeiten ist jedoch ein Lama, der vor mehr als 80 Jahren verstarb.

(Erstveröffentlichung unter: http://omg2germansinrussia.tumblr.com)

Ivolginsk liegt inmitten der Steppe. Am Rande des Ortes befindet sich die Bushaltestelle, an der man uns von Ulan-Ude kommend rausgeschmissen hatte. Von hier aus sollen die Busse zum Ivolginskij Datsan fahren. Unsere Umgebung besteht aus einem kleinem Lebensmittelgeschäft, ein paar Kühen und einer toten Katze. Es ist drückend heiß.

image

Im Ivolginskij Datsan

Endlich fährt ein gelber Microbus vor. Ein Einheimischer signalisiert uns, dass dieses Gefährt uns zum Datsan bringen wird. Und tatsächlich: Kurz danach erreichen wir das wichtigste buddhistische Kloster Russlands. Neben der beeindruckenden Architektur der Tempel ist es vor allem eine Geschichte, die den Datsan bekannt macht. Im Jahre 1927 las der amtierende Khambo Lama (Oberhaupt der burjatischen Buddhist*innen) Dashi-Darzho Itigelov sich selbst das Totengebet, begann zu meditieren und verstarb im Lotussitz. Das eigentliche Wunder besteht aber darin, dass sich seitdem der Khambo Lama standhaft weigert zu verwesen. Dieses Wunder wurde uns schon lang und breit im Stadtmuseum des benachbarten Ulan-Ude dargelegt. Auch Valentina, die im örtlichen Backpacker-Hostel jobbt, kann mit Begeisterung vom wundertätigen Itigelov erzählen. Auch von einem englisch sprechenden Mönch, der aus Handflächen die Zukunft lesen kann, weiß sie mit leuchtenden Augen zu berichten. Allerdings wird Itigelov nur zu bestimmten Tagen aus seinem Tempel geholt und auch der zukunftslesende Mönch hat an diesem Tag scheinbar Wichtigeres zu tun, sodass wir eine beeindruckende Atmosphäre frei von jeglichem Hokuspokus genießen können.

Anschließend suchen wir den einzigen Imbiss im den Datsan umgebenden Ödland auf. Das Angebot umfasst kaltes Wasser, warme Limonade und heiße Buuza. Da letztere aber gewohnheitsgemäß schmackhaft sind, stellt das kein Problem dar. Buuza sind übrigens, so wie alle Gerichte der burjatischen Küche, mit Hack gefüllte Teigtaschen. Sollten sich also Vegetarier*innen durch diesem Beitrag motiviert fühlen, Burjatien zu bereisen, sei ihnen das Mitführen von Lunchpaketen empfohlen. Die Kunst des Buuza-Essens besteht übrigens darin, sie ohne eine größere Sauerei zu veranstalten, zu verspeisen. Hierzu muss man eine Ecke aufbeißen und den Fleischsaft heraus schlürfen. Danach kann man sie gefahrenfrei essen. Da ich glücklicherweise schon in Irkutsk einen Crash-Kurs im Buuza-Verzehr bekommen hatte, kann ich mein Wissen an den Rest der Reisegruppe weitergeben.

Dann geht es zurück nach Ulan-Ude. Abends, als die Hitze ein bisschen aus der Stadt gezogen ist, treffe ich mich mit Margarita, die ich zuvor auf einem Seminar kennengelernt habe. Sie zeigt mir  die restlichen Sehenswürdigkeiten der Stadt, wie einen sieben Meter hohen Leninkopf aus Eisen, die burjatische Nationaloper und die Flaniermeile, die hier wie in Moskau „Arbat“ heißt. Dann will sie mir noch von einem ganz tollen Wunder erzählen, das sich hier ganz in der Nähe ereignet hat. Als sie merkt, dass ich die Geschichte schon kenne, wirkt sie ein bisschen enttäuscht.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s