Unschlagbare Angebote

Ob in Hinterhöfen, in der Metro oder auf Märkten – die Petersburger Schattenwirtschaft floriert. Abseits der großen Malls findet man alles, was man braucht und viel häufiger auch das, was man nicht braucht.

(Erstveröffentlichung unter: http://omg2germansinrussia.tumblr.com)

Warum ins Geschäft gehen, wenn man auch alles auf der Straße findet. Das kann man sich fragen, wenn man die russische Schattenwirtschaft betrachtet. Nun gut, der abgewrackte Typ, der ein nagelneues ipad aus seiner Tasche zog und es günstig verkaufen wollte, da er dringend Geld brauche, hat eher Seltenheitswert. Und auch der Mann, der noch vor einigen Jahren mitten auf der Sadovaja-Straße Elektroschocker vorführte und verkaufte, ist mittlerweile verschwunden.

Ein florierender Handelsplatz ist aber nach wie vor die Metro. In aller Regelmäßigkeit stürmt ein schwerbepackter Mann in die Wagen der roten Linie (die grüne Linie scheint inoffiziellen Abmachungen nach Straßenmusikant*innen, die gelbe Bettler*innen vorbehalten zu sein) und bitte um die Aufmerksamkeit der Passagiere. Es folgt die Vorführung eines Produkts, das jedermann haben müsse. Ein Saughaken beispielsweise, der sechs Kilo tragen kann, was auch gleich demonstriert wird, indem der Händler seinen gesamten Hausrat an die Metrotür hängt. Oder Streichhölzer, die auch nass brennen, im Gegensatz zu dem handelsüblichen Feuerzeug, das zur Veranschaulichung in einem extra mitgeführten Wassereimer versenkt wurde. Einer der ganz professionellen Vertreter dieser Branche fällt hierbei durch den Gebrauch seiner Hadsets auf, das aber – da nicht angeschlossen – stets die gewünschten Effekte verfehlt. Wenigstens kann er aber mit immer wechselnden saisonalen Produkten aufwarten: In der Vorweihnachtszeit beispielsweise mit einer Lichterkette, die er – um die Länge zu verdeutlichen – im ganzen Metrowagen auslegt.

Udelnaya-Markt (Foto: Stefan Weger)

Udelnaya-Markt (Foto: Stefan Weger)

Nahe der Metrostation Udel´naya befindet sich einer der institutionalisierten Märkte. Der vordere Teil des Marktes schafft es von Zeit zu Zeit in den Medien, wenn die florierende Fascho-Szene aus Anlass des Nationalfeiertages eine Hatz auf die vornehmlich zentralasiatischen Händler*innen des Marktes macht. In diesem Teil des Marktes wird hauptsächlich günstige Kleidung feilgeboten. New-Balance-Sneakers, nach der festen Überzeugung der Verkäuferin original, kriegt man hier für umgerechnet acht Euro. Interessant ist aber der hintere Teil des Marktes. Auf einem verschlammten Terrain entlang der Bahntrasse St. Petersburg – Helsinki befindet sich ein abwechslungsreicher Flohmarkt. Die Verkaufsschlager von Melodija, dem größten Schallplattenkombinat der Sowjetunion, kriegt man hier zu günstigen Preisen. Eher seltsam zumute wird einem allerdings, wenn ein SS-beschirmmützter Rentner anbietet, was er und seine Freunde scheinbar dank Metalldetektoren in den Wäldern des Umlands gefunden haben. Und da findet sich einiges, was die Wehrmacht so zurückgelassen hat. Besonders verbreitet ist der klassische Wehrmachtshelm, wobei sich intakte Exemplare eher selten finden. Doch auch die „Mängelexemplare“ haben ihren Wert: Große Löcher signalisieren ja auch nur, dass der Schuss gesessen hat.

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