Einweihungsfeier für einen Fahrradständer

Auch in Samara verteilt sich die Uni auf mehrere, mitunter entfernt voneinander gelegene Gebäude. Nachdem ich gestern meinen Arbeitsplatz, den Komplex mit den Philologien, kennen gelernt habe, war heute ein Besuch im Hauptgebäude angesagt: Behördliche Registrierung im Ausländerbüro.

Auf dem Foto seht Ihr das Hauptgebäude. Der Mann auf dem Sockel ist, wie könnte es anders sein, Michail Lomonossow. Lomonossow ist ein russischer Universalgelehrter des 18. Jahrhunderts, der als Begründer der russischen Wissenschaft gilt. Lomonossow trifft man in Bildungszusammenhängen oft an, so zum Beispiel auch im Namen Russlands größter Uni, deren verrücktes Zuckerbäckerhaupt-gebäude auf den Moskauer Sperlingsbergen steht.

Nach Abgabe meines Passes im Ausländerbüro bin ich noch ein bisschen vor dem schlichten Samaraer Uni-Hauptgebäude geblieben. Das hatte nichts mit dem Lomonossow-Denkmal zu tun, sondern etwas mit Samara.de. Samara.de ist eine Zeitung, die Germanistikstudentinnen und Sprachkursteilnehmer unter der Regie von Goethe- und DAAD-Deutschen herstellen. Und so hatte ich in meiner Goethe-Eigenschaft heute Gelegenheit, der feierlichen Eröffnung eines Fahrradständers beizuwohnen.

Eine kleine Bühne war aufgebaut und mit Luftballons geschmückt, laute Musik spielte, und zwei junge Männer moderierten durch ein launiges Programm aus interaktiven und Verkehrsregel-Fragen: Wer von Euch kann Fahrrad fahren? Wer von Euch fährt Fahrrad? Wie viele Lichter hat eine Fußgängerampel? Erst gewann eine junge Frau mit ihren Antworten einen Kuli, dann ein junger Mann einen Magneten. Auf dem Bild seht Ihr den jungen Mann bei der Demonstration des Abbiege-Handzeichens.

Natürlich waren all diese Fragen eher als Riesenspaß gemeint. Aber es gibt wirklich viele Nicht-Radfahrer in Russland, denn Fahrradfahren ist hier keine übliche Tätigkeit weil gefährlich. Der schlicht blaue, luftballongeschmückte Fahrradständer aus sechs oder sieben Bügeln, der m.E. ein bisschen lieblos in einer Ecke abgestellt war, ist also der erste seiner Art an der Uni in Samara.

Nach Quiz-Spaß und einer kurzen Pompom-Tanz-Einlage traten Uni-Offizielle auf den Plan, lobten das Radfahren, die Zukunft und den Fahrradständer und durchschnitten so schnell feierlich ein rotes Band, dass ich mit dem Fotografieren nicht hinterhergekommen bin. Im Bild daher schon der nächste Schritt.

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Abgerundet wurde die feierliche Einweihung des Fahrradständers mit einer Stadtrundfahrt der Fahrradständernutzer: Fünf, sechs sehr sportliche junge Männer auf durchgestylten Cross-Rädern. Dass es bis zum Breitenverkehrsmittel noch ein langer Weg ist, hat man wohl auch in der Uni im Hinterkopf gehabt, als die Wahl für den neuen Fahrradständer auf ein Model mit nur sechs Bügeln zum Anschließen fiel – für ganze zwölf Fahrräder also.

(Erstveröffentlichung: www.bloschek.wordpress.de)

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